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 DOKUMENTATION
:: WANDEL DER KOMMUNIKATION ::

Mit den aufgekommenden technischen Kommunikationsmitteln wie Buchdruck, Zeitung, Telefon, Radio und Fernsehen entstand eine kommunikative Mobilität, die sich heute in Handys und tragbaren Computern ausdrückt. Wir sind unabhängig von örtlichen und zeitlichen Gegebenheiten der Kommunikation geworden. Konkret heißt das, dass überall, wo wir sind, die Möglichkeit besteht, uns in ein Netz einzuklinken, das uns den Zugang zu all unseren eigenen Daten als auch zu allen anderen Daten, die wir zum Arbeiten und zum Leben benötigen, zur Verfügung stellt. Die Gewöhnung an neue Mittel der Kommunikation ist rasant. Wenn es funktioniert, wird es von der breiten Masse der Bevölkerung angenommen, und verwendet.

:: WANDEL DER STAEDTE UND DER URBANE RAUM ::

Durch den Wandel der Kommunikation und der Globalisierung verlieren territoriale Distanzen an Bedeutung. Orte die territorial weit voneinander entfernt sind, stehen in wirtschaftlicher und sozialer Beziehung. Städte die von dem steigenden Meeresspiegel bedroht sind, stehen in einer Verbindung mit Städten, die von einem wirtschaftlichen Erfolg des Autokonzerns ihrer Stadt abhängig sind.

Laut eines UN-Weltbevölkerungsbericht wird 2008 das erste Jahr der Menschheitsgeschichte sein, in dem mehr Menschen in der Stadt wohnen, als auf dem Land. Die Bedeutung des urbanen Raumes wird sich verändern, die Frage die sich bei dieser Entwicklung stellt ist, wie mit urbanen öffentlichen Raum noch umgegangen werden kann?
 Lanparty
Forum Romanum:
Die geschriebene Sprache förderte die Anhäufung und Wiedergabe von Wissen, zeitlich gesehen: über den Tag hinaus, sachlich: über konkrete Aufgaben, Probleme und Sachverhalte und sozial: für alle Mitglieder einer Gemeinschaft.

Das Forum (lateinisch: Forum), das ca. 490 v. Chr. entstanden ist, ist ein gutes Beispiel dafür, dass durch den Wandel der Kommunikation ein Platz entstanden ist, der das politische, juristische und religiöse Zentrum einer Stadt bildete. Dieser Platz entsprach der griechischen Agora, die ca. im 5. Jahrhundert v. Chr. entstanden ist. Sie wurde als Versammlungsplatz für die Heeres-, Gerichts- und Volksversammlungen der freien Bürger genutzt.

Werbung:
Heutzutage dient der öffentliche Raum im großen Maße der Werbung. Werbung verklebt die Fenster von Bussen und Bahnen, verbirgt Baustellen, verhüllt Fernsehtürme und versteckt historische Fassaden hinter Motiven und Botschaften. Gerade in den Metropolen kämpft die Werbewirtschaft um jeden Quadratmeter öffentlichen Raumes. Die Menschen werden tagtäglich mit Botschaften und visuellen Reizen konfrontiert, um auf Produkte und Dienstleistungen aufmerksam gemacht zu werden. Durch die Kommerzialisierung vom öffentlichen Raum, werden immer mehr Wände, Häuserfassaden, etc. als Werbeflächen genutzt.
 Die Ruine des Forum Romanum/Rom | Picadilly Circus/London
 RAEUME VERBINDEN_PROJEKT ONSTREET: 
 EIN VERSUCH 
:: KOMMUNIKATION IM OEFFENTLICHEN RAUM ::

Das Medium ist entscheidend für die Aufmerksamkeit und Präsenz innerhalb der Öffentlichkeit. Zum Thema virtueller und realer Raum machten wir folgenden Versuch. Wir stellten uns die Frage, ob Menschen im öffentlichen Raum genauso kommunikationsbereit sind wie im virtuellen Raum. Wir wollten Themen in den urbanen Raum bringen und die Möglichkeit bieten, die eigene Meinung dazu kund zu tun. An verschiedenen öffentlich urbanen Zonen in Berlin brachten wir Tafeln an, auf denen ein Thema zur Diskussion gestellt wurde, das in den Medien sehr präsent war. Die Besucher hatten nun die Möglichkeit mit Hilfe von Stiften ihre Meinungen dazu aufzuschreiben bzw. Meinungen anderer zu lesen und diese zu kommentieren. Nach 24 Stunden waren die Tafeln nahezu vollgeschrieben. Die vollgeschriebenen Tafeln zogen interessierte Passanten an, die anfingen über die Themen zu sprechen und zu diskutieren oder die sich einfach zu den verschiedenen Meinungen einen Überblick verschafften. Auf www.onstreet.de richteten wir einen Internet-Blog ein, auf dem man zusätzlich alle Meinungen lesen und kommentieren konnte.
 Die Leute konnten mit Stiften auf den Tafeln ihre Meinung zu dem Thema schreiben.
 RAEUME VERBINDEN_RAUMKONZEPT: 
 UMSETZUNG 
Das Konzept »Räume verbinden« setzt genau an der Schnittstelle der Kommunikation in der Öffentlichkeit und der Nutzung öffentlicher Räume an. Das Projekt beleuchtet den fortschreitenden Wandel von öffentlichem und privatem Raum, von Öffentlichkeit und Privatheit, die sich auch durch den alltäglichen Gebrauch neuer Technologien vollzieht. Durch die Schaffung einer neuen Kommunikationsplattform, in der das Medium der Sprache genutzt wird, sollen öffentliche Plätze wiederbelebt und Menschen miteinander verbunden werden. Es wird ein Platz in der Öffentlichkeit geschaffen, an dem gesellschaftliche Themen angesprochen und diskutiert werden können. Es wird ein Raum geboten, indem die öffentliche Meinungsbildung ihren Platz findet.

Verbinden von Menschen und Orten
Wichtige gesellschaftsrelevante Themen geben die Orte vor, an denen die Kommunikationsplattform aufgestellt wird. Die Frage: »G8-Gipfel! Sind die Sicherheitsvorkehrungen des Innenministers gerechtferigt?«, müssten öffentliche Plätze wie zum Beispiel in Berlin, Hamburg, Heiligendamm, und Großstädten von weiteren G8-Staaten, genutzt werden um das Thema genau an die Orte zu bringen, in denen es zum Tragen kommt. Die Einwohner dieser Orte könnten somit ihre Meinung in der Öffentlichkeit beziehungsweise an den im Netzwerk befindlichen Orten ausstellen. Durch die Vernetzung der Orte, für die ein Thema relevant ist, entsteht somit die Möglichkeit, die Aussagen und Meinungen anderer Mitmenschen zu lesen.
 Die Orte die an der Umfrage teilnehmen, werden durch die Themen bestimmt
:: TEMPORÄRE ARCHITEKTUR ::

Auf der Suche nach einem geeignetem Raum bzw. einer geeigneten Architektur bot sich der Kubus an, der sehr gut von außen wie auch von innen zu bespielen ist. Der Kubus als einfachste geometrische Form bietet vielseitige Möglichkeiten, um im öffentlichen Stadtraum präsent zu werden. Er lässt sich schnell und einfach temporär installieren. Die Schrift die verwendet wird, sind die Versalien der Akzidenz Grotesk! Sie sind prägnant, klar und neutral. Das Objekt hat den Namen "Meinungsbarometer". Das Konzept der Arbeit entwickelte ich mit Marius Bell gemeinsam. Die temporäre Architektur wurde von Marius Bell gestaltet, der sein Diplom parallel an der HfK Bremen gemacht hat. Mein Schwerpunkt lag bei der Gestaltung des Interfacedesigns.
 An dem Kubus wird das Thema present gemacht
:: INPUT | OUTPUT ::

Kommen wir nun zur Benutzung des Meinungsbarometers:
Ein wichtiger Teil der Gesamtbenutzung ist die Eingabe der Meinung. Wichtig dabei ist, das sie so einfach wie möglich zu bedienen ist. Die Handschrift ist die Art der schriftlichen Kommunikation, die alle gewohnt sind. Natürlich gibt es viele die fast ausschließlich mit Hilfe der Tastatur schreiben. Doch ist der handschriftliche Text eine Art der Kommunikation, die sich alle von klein auf angeeignet haben. Von daher wird ein Produkt namens IO-Pen (Input/Output) verwendet. Ein digitaler Kugelschreiber, der handschriftliche Texte in digitalen Text konvertieren kann.

Am Eingang bekommt der Nutzer eine Karte, auf der ein Erklärungstext steht. Mit dem Stift kreuzt er "ja" oder "nein" an. Damit erkennt der Kugelschreiber über das Punktraster, daß es einen neuen Nutzer gibt, der seine Meinung abgeben möchte, und registriert den neuen Nutzer in dem Computer. Im nächsten Schritt kann der Nutzer im Innenraum des Kubus mit dem Stift seine Meinung weiter ausformulieren, und an die Wand schreiben. Das System erkennt diese, und fügt sie hinzu. Dann kommt es zum Lesen der Meinungen. Der Besucher logged sicht mit der Karte an dem Tisch ein und kann die Meinungen anderer lesen und bewerten. Wichtig dabei ist, das keine persönlichen Daten erhoben werden. Der Nutzer bleibt anonym.
Im folgenden Kapitel komme ich zu der digitalen Benutzeroberfläche des interaktiven Tisches.
 An dem Kubus wird das Thema present gemacht
 RAEUME VERBINDEN_INTERFACE: 
 SKIZZEN 
:: SKIZZE MEINUNGSPFLANZE ::

Anfangs setzte ich mich mit dem Aufbau von Chats und Foren auseinander.
Der wichtige und grundlegende Unterschied des Forums zum Chat ist die Zeit. Ein Chat funktioniert unter dem Aspekt der Echtzeitgenerierung. Die Struktur des Chats ist der Struktur des oralen Gesprächs sehr ähnlich. Als Beispiel können Kommunikationspausen innerhalb des Chats als stagniertes Gespräch, Desinteresse etc. gedeutet werden. Da das Projekt in seiner Struktur eher einem Forum glich, orientierte ich mich an dem Aufbau von Internetforen. Die Struktur des Forums baut nicht so stark auf den Zeitfaktor auf. Es dient eher als Ansammlung von Meinungen sog. Postings. Aus den Ansammlungen der Postings ergeben sich die sog. Threads. Unter einem Thread versteht man in Diskussionsforen und einigen Webforen eine Folge von Diskussionsbeiträgen, die hierarchisch organisiert sind.

Hier sieht man erste Skizzen, die Meinungen als Avatare darzustellen. Wie können Kritiken, Zustimmungen und Erweiterungen dargestellt werden. Das ganze sollte als Baukasten gesehen werden, aus dem sich das Interface generiert. Aus den Elementen entstehen dann Gesprächsstränge, die erkennen lassen, an welchen Aussagen, eine Aufmerksamkeit der Nutzer entstanden ist. Worauf haben sich die Nutzer am meisten bezogen? Das Problem war, dass die Aneinanderreihung von den Gesprächen mit Massen an Einträgen schwierig zu handeln ist. Was passiert wenn man mehr als 100 Einträge hat? Wie kann dann die Summe der Einträge dargestellt werden? Wo bilden sich Akzente, Schwerpunkte? Zusätzliches Problem war das die Kommunikationsplattform nicht auf dem Gespräch unbedingt aufbaut. Es kommt vor , dass Meinungen kommentiert werden, doch ist das Gespräch nicht das wichtige Augenwerk.
 1. Skizzen: Die als Avatare dargestellten Meinungen setzen sich als Meinungspflanze zusammen
:: SKIZZE SCHWARMANSAMMLUNG ::

Der Ansatz dabei war, die Meinungen als eigenständige Objekte darzustellen, die ein eigenes Innenleben und Verhalten haben. Sie können sich zusammengesellen, sich gegenseitig wegschubsen oder durchdrängeln, schneller oder kräftiger sein als andere. Die lebhaften Eigenschaften von Menschenmengen sollte kommuniziert werden. Dadurch, dass man die Meinung als eigenständiges Objekt hat, lassen sich die Meinungen dynamisch anordnen. Die zeitliche Abfolge spielt kaum eine Rolle, da sich die Meinungen nicht unbedingt in zeitlich kurzen Intervallen ändern. Durch die dynamische Anordnung kann ich einen besseren Überblick über die Masse der Meinungen bekommen.
 2. Ansatz: Schwarmbildungen
:: HIERARCHIE ::

Es gibt eine grundlegende Hierarchie in dem Interface. Wichtig ist zu wissen, dass die Meinung zu bewerten sind. Als Nutzer kann man Meinungen zustimmen oder ablehnen. Durch die Bewertung werde die Meinungen in ihrer Größe und ihrer Durchsetzungskraft generiert. Die Durchsetzungskraft bestimmt wie schnell und wie kräftig sich eine Meinung gegenüber den anderen verhält. Wenn viele einer Meinung zustimmen, wird die Meinung größer dargestellt und wird kräftiger. Wenn eine Meinung insgesamt eher abgelehnt wird, wird die Meinung kleiner und schwächer. Daraus ergibt sich folgende einfache Hierrachie. Meinungen, die sich in der Mitte einer Ansammlung befinden, haben allgemein eine höhere Zustimmung, als Meinungen die sich außerhalb der Ansammlung befinden.
 Meinungen haben eigenes Verhalten

:: MINDMAP ::

Die Worte der eingetragenen Meinungen werden durch eine Worterkennungsprogramm gelesen und erkennt die Schlagworte die verwendet werden. Wenn 10 verschiedene Meinungen das selbe Schlagwort verwenden, bildet sich ein Kraftfeld. Um dieses Kraftfeld sammeln sich dann dementsprechend die Meinungen. Natürlich kommt es vor, dass Meinungen mehrere Schlagworte verwenden, von denen es bereits Kraftfelder gibt. In diesem Fall ziehen sich die Kraftfelder zusammen, und es generiert sich eine grobe Übersicht, über die Meinungen, also eine Art Mindmap.


:: BEDIENUNG ::

Die grundsätzliche Navigierung ist, die Meinungen auf verschiedene Weisen anordnen zu können. Es gibt drei verschiedene Einstellungen.
-einmal die Anordnung nach Schlagworten,
-eine geografische Anordnung
-und eine Anordnung nach Wertung, in dem Fall schliessen sich die Meinungen mit einer ähnlich hohen oder niedrigen Wertung zusammen.


TOOL: PROCESSING

Zur Umsetzung verwende ich das open source Programm "Processing", mit dem sich physikalische Prozesse digital simulieren lassen. An dieser Stelle danke ich nochmal Dennis Paul, Christian Riekhoff, Patrick Kochlick, Tim Knapen und Carl Emil Carlsen für die direkten und indirekten Processingkurse. Ganz speziell Dennis Paul, dessen Processing Library "Particles" ich verwenden konnte.

 Der Film zeigt die Bedienung des interface